Statement und Presseinfos

Statement

Wir leben in einer Zeit, die von Krisen geprägt ist: Kriege, Klimakrise, soziale Ungleichheit und der Abbau öffentlicher und sozialer Infrastruktur bestimmen den Alltag vieler Menschen. Gleichzeitig gehen Orte verloren, an denen Menschen sich begegnen, austauschen und gegenseitig unterstützen können. Auch in Gießen mussten in den vergangenen Jahren soziale und kulturelle Projekte schließen, während gleichzeitig Gebäude leer stehen.

Wir möchten dem etwas entgegensetzen. Das FreiTraum-Haus soll ein offener, selbstverwalteter Ort sein, an dem Menschen unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Lebensweise zusammenkommen können. Ein Ort für Begegnung, Kultur, politische Bildung, gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Organisieren.

Selbstverwaltung bedeutet für uns, Entscheidungen gemeinsam zu treffen und Verantwortung miteinander zu teilen. Alle, die den Raum nutzen, sollen ihn mitgestalten können. Dabei möchten wir Hierarchien abbauen, unterschiedliche Erfahrungen ernst nehmen und ein respektvolles Miteinander schaffen.

FreiTraum soll ein Ort sein, an dem Diskriminierung keinen Platz hat. Wir stellen uns gegen Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Sexismus, Ableismus, Klassismus und jede andere Form von Ausgrenzung. Besonders wichtig ist uns, dass Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen den Raum gemeinsam prägen und weiterentwickeln.

Wir verstehen Solidarität nicht als bloßes Bekenntnis. Mit Veranstaltungen, Diskussionen, Bildungsangeboten und gegenseitiger Unterstützung möchten wir auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren und Menschen ermutigen, selbst aktiv zu werden. Dabei stehen wir an der Seite aller, die von Krieg, Gewalt, Unterdrückung und Diskriminierung betroffen sind, und setzen uns für eine friedliche, gerechte und solidarische Gesellschaft ein.

Die Nutzung eines seit Langem leerstehenden Hauses verstehen wir als Chance, ungenutzten Raum wieder der Stadtgesellschaft zugänglich zu machen. Statt Leerstand kann hier ein Ort entstehen, der Menschen verbindet, Nachbarschaft stärkt und Platz für Kultur, Austausch und gemeinschaftliches Engagement schafft.

Gesellschaft verändert sich dort, wo Menschen sich zusammenschließen und Verantwortung füreinander übernehmen. Mit dem FreiTraum-Haus möchten wir einen Ort schaffen, an dem genau das möglich wird.

Pressemitteilung (zur freien Verwendung)

Gießen 11.07.2026

In Gießen besetzten Aktivist*innen am Samstagvormittag ein leerstehendes Gebäude der Justus-Liebig-Universität in der Hein-Heckroth Straße 3. Das Ziel der Aktivist*innen ist es das Gebäude als ein Raum für Gemeinschaft, Unterstützung und Schutz wieder für die Menschen zugänglich und nutzbar zu machen. Für das Wochenende ist ein buntes Programm mit Musik, Familienfest und verschiedenen Programmpunkten geplant, wozu die Bürger*innen der Stadt eingeladen sind.

Geschlossene Kulturräume, kaputtgesparte Sozialeinrichtungen und der immer weiter eskalierende Mietmarkt beschäftigt seit vielen Jahren auch die studentisch geprägte Stadt Gießen. Die Schließung des Jugendzentrums Holzwurm und der Bahnhofsmission, die Insolvenz des Suchthilfezentrums Gießens, sowie die Schließung des Lokal International des Studierendenwerkes sind nur wenige Beispiele einer seit Jahren andauernden Entwicklung.

Immer mehr Begegnungs- und Austauschräume, Orte an denen Menschen zusammenkommen können, ohne einem Konsumzwang unterlegen zu sein, müssen schließen oder werden durch fehlende Finanzierung zur Aufgabe gezwungen. Um einerseits auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen und andererseits selbstermächtigt einen Ort zurückzuholen, der ungenutzt und ohne Perspektive leer steht, haben Aktivist*innen am heutigen Samstag ein Haus in der Hein-Heckroth Straße 3 in Gießen besetzt und für die Stadtgesellschaft geöffnet.

Das Haus, das seit mehr als 4 Jahren ungenutzt leer steht, soll den Menschen wieder zugänglich gemacht werden. Ziel ist es einen unabhängigen, offenen und solidarischen Raum in Gießen zu schaffen und allen die so dringend benötigten Empathie- und Begegnungsräume zur Verfügung zu stellen. Die Aktivist*innen wünschen sich von der JLU Gießen eine langfristige Nutzung des Hauses. Das FreiTraum-Haus soll ein Ort der Begegnung auf Augenhöhe werden, welcher selbstverwaltet auf soziale Bedürfnisse der Gesellschaft eingeht. Dazu sind alle Menschen eingeladen teilzunehmen und mitzugestalten, denn es soll gemeinschaftlich und mit vielen verschiedenen Organisationen entschieden werden, wie genau diese langfristige Nutzung aussehen soll. Sicher ist jedoch: Es soll ein Ort sein, der frei von Diskriminierung ist, denn der öffentliche Raum wird durch Maßnahmen wie die Waffenverbotszone, die der Polizei das Recht erteilt, jederzeit rassistische Kontrollen durchzuführen, immer diskriminierender. 

Für den heutigen Samstag sowie den Sonntag lädt das FreiTraum-Haus zur Eröffnung die Nachbarschaft und alle Menschen in und um Gießen ein, zum Kennenlernen vorbeizukommen und mitzufeiern. Neben einem bunt gemischten Musikprogramm und einem Gartenfest mit Verpflegung am Samstag sind für den Sonntag unter anderem ein Familienfest mit Workshops, Sport, Kunst und einem Mitbring-Picknick geplant. 

Mehr Informationen finden Sie auf der Website (freitraum.noblogs.org) oder Telegram (http://t.me/freitraumhaus).